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Nahrungsergänzungsmittel - Warum du sie nicht willkürlich zu dir nehmen solltest


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Gerade auf Social Media scheint es ein Trend zu werden, Nahrungsergänzungsmittel zu sich zu nehmen. Um so mehr, um so besser und gesünder. So scheint es zumindest. Einige Influencer*innen werben für verschiedenste Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln. Leider entsteht dadurch ein, in meinen Augen, falscher Eindruck.

Supplemente können unsere Ernährung und unseren Körper unterstützen und uns etwas Gutes tun, aber nicht, wenn wir einfach willkürlich sämtliche Nährstoffe in Tablettenform zu uns nehmen.


Was sind Nahrungsergänzungsmittel?


Laut § 1 der Nahrungsergänzungsmittelverordnung NemV ist ein Nahrungsergänzungsmittel ein Lebensmittel, das

1. dazu bestimmt ist, die allgemeine Ernährung zu ergänzen
2. ein  Konzentrat von Nährstoffen oder sonstigen Stoffen mit  ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung allein oder in  Zusammensetzung darstellt und
3. in  dosierter Form, insbesondere in Form von Kapseln, Pastillen, Tabletten,  Pillen und anderen ähnlichen Darreichungsformen, Pulverbeuteln,  Flüssigampullen, Flaschen mit Tropfeinsätzen und ähnlichen  Darreichungsformen von Flüssigkeiten und Pulvern zur Aufnahme in  abgemessenen kleinen Mengen, in den Verkehr gebracht wird.

In dieser Definition ist auch bereits ein wichtiger Hinweis versteckt. NEM dienen dazu, unsere Ernährung zu ergänzen. Sie ersetzen keinesfalls eine ausgewogene und gesunde nährstoffreiche Ernährung. Bevor wir zu Nährstoffpräparaten greifen, sollten wir einen näheren Blick auf die Lebensmittel, die wir zu uns nehmen, werfen und verstärkt nährstoffreiche Lebensmittel verzehren.


Bei Nahrungsergänzungsmitteln spricht man in der Regel von den Nährstoffen Vitamine und Mineralstoffe und sonstigen Stoffen (Aminosäuren, Fettsäuren, Ballaststoffe etc). Dieser Blogbeitrag bezieht sich hauptsächlich auf Vitamine und Mineralstoffe, um den Rahmen nicht zu sprengen.


Warum sollte man nicht willkürlich Nährstoffpräparate zu sich nehmen?


Es ist nicht sinnvoll, Nährstoffe zu supplementieren, ohne die eigene Nährstoffversorgung im Körper zu kennen.


Über unsere natürliche Ernährung nehmen wir nie nur einen einzelnen Nährstoff isoliert zu uns, sondern eine Kombination aus verschiedenen Nährstoffen. In einem einzigen Nahrungsmittel befinden sich immer mehrere Stoffe in unterschiedlichen Konzentrationen. Daher kommt es zwischen den einzelnen Vitaminen und Mineralstoffen zu Wechselwirkungen. Sie können sich gegenseitig positiv beeinflussen und Synergien bilden, aber sie können sich auch gegenseitig hemmen. Da kommen wir auch schon zum springenden Punkt.


Über Supplemente nehmen wir Nährstoffe in isolierter Form und in der Regel hoch dosiert zu uns, was zu einem Mangel bei einem anderen Nährstoff führen kann. Zum Beispiel bei Eisen und Calcium. Eine erhöhte Calciumaufnahme kann dazu führen, dass die Eisenaufnahme gehemmt wird. Nehmen wir also ein Calciumpräparat zu uns, ohne dass es wirklich notwendig ist, d. h. ohne dass eine Unterversorgung oder ein Mangel besteht, kann die Eisenaufnahme im Körper eingeschränkt werden und im schlimmsten Fall ein Eisenmangel entstehen.

Weitere Beispiele für solche Wechselwirkungen sind Zink und Kupfer oder Calcium und Magnesium.


Außerdem können durch Supplemente Nährstoffe überdosiert werden, was bei manchen Nährstoffen und Vitaminen zu toxischen Folgen führen kann.

Schauen wir uns einmal die Vitamine an. Wir unterscheiden zwischen wasserlöslichen und fettlöslichen Vitaminen. Die wasserlöslichen werden bei einem Überschuss meist einfach über die Nieren ausgeschieden. Sie können nicht im Körper gespeichert werden. Die fettlöslichen Vitamine (Vitamin E, D, K, A) hingegen werden in den Organen gespeichert und bei einem Überschuss nicht einfach ausgeschieden. Es kommt dann zu sogenannten Hypervitaminosen (Überversorgung) und im schlimmsten Fall Vergiftungserscheinungen. Über unsere alltägliche Ernährung ist eine solche Überversorgung nur schwer möglich, aber über Nahrungsergänzungsmittel eben schon und sogar relativ leicht.


Die meisten NEM versprechen Linderung bei bestimmten Symptomen. Wir können mit Supplementen tatsächlich Krankheiten vorbeugen und bei bereits bestehenden Krankheiten unseren Körper unterstützen, aber nur nach ärztlicher Diagnose. Es ist nicht empfehlenswert, bei bestehenden Symptomen zu Nährstoffpräparaten zu greifen, nur weil diese Linderung versprechen. Symptome kommen in der Regel nicht allein. Meist verspürt man mehrere gleichzeitig. Zudem kann ein und dasselbe Symptom verschiedene Ursachen haben.


Wann sind Supplemente sinnvoll?


Nahrungsergänzungsmittel stellen eine gute Möglichkeit dar, um unseren Körper und unsere Gesundheit zu unterstützen. In vielen Fällen sind sie auch notwendig. Wir können damit Defizite oder sogar einen Mangel ausgleichen, aber wir sollten nur zu ihnen greifen, wenn wir wissen, dass wir mit einem Nährstoff unterversorgt sind.


Bei bestimmten Personengruppen bzw. in bestimmten Lebensphasen kann der Bedarf an bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen erhöht sein. Hier kann es sinnvoll sein, zu Nährstoffpräparaten zu greifen. Solche Gruppen können Kinder, Schwangere, Stillende oder ältere Menschen sein. Unter Umständen auch Leistungssportler.


Ausnahmen können Vitamin B12 und Vitamin D bilden. Besonders bei Vegetarier*innen und Veganer*innen empfiehlt es sich, Vitamin B12 regelmäßig zu supplementieren, da es nicht bedarfsdeckend über die Nahrung aufgenommen werden kann. Vitamin D kann in Deutschland nur in den Sommermonaten (April - September) bei ausreichendem Aufenthalt in der Sonne vom Körper hergestellt werden. In den Wintermonaten (Oktober - März) kann man zu Supplementen greifen. Wenn man sich auch im Sommer eher weniger draußen aufhält, ist es zu empfehlen. Die UVB-Strahlung reicht in unseren Breitengrad im Winter für die Vitamin D - Produktion einfach nicht aus. Der Nährstoff kann jedoch ein paar Monate im Körper gespeichert werden, vorausgesetzt, man verbringt während der Sommermonate ausreichend Zeit im Freien und setzt die unbedeckte Haut der Sonneneinstrahlung aus. Die Versorgungslage in Deutschland zeigt gemäß der Nationalen Verzehrsstudie II jedoch, dass die meisten von uns keine ausreichende Bedarfsdeckung erreichen.


Tipp: Lass bei deinem Arzt oder deiner Ärztin regelmäßig deine Nährstoffversorgung testen. Dazu musst du zwar etwas Geld in die Hand nehmen, je nachdem wie viele Nährstoffe du testen lässt, aber es kommt deiner Gesundheit zugute. Dein Arzt oder deine Ärztin kann dir dann genau sagen, ob du einen bestimmten Nährstoff ergänzen solltest und vor allem auch in welcher Menge. Einen Nährstoff-Check kann man übrigens meist auch bei Heilpraktiker*innen machen. 


Worauf solltest du bei NEM achten?


Wenn du dann herausgefunden hast, ob du zu einer Nährstoffergänzung greifen solltest, kannst du noch auf ein paar Dinge achten.


Zum einen solltest du die Dosierung im Blick haben. Hierbei am besten auf die Empfehlungen eines Arztes oder Gesundheitsexperten achten. In Deutschland hergestellte Präparate unterliegen in der Regel strengen Richtlinien, aber nicht immer wird auf die Höchstdosierung geachtet und einzelne Tabletten überschreiten diese Empfehlungen teilweise.

Informationen zur Dosierung und Zufuhrempfehlung der einzelnen Nährstoffe findest du bei der DGE. Generell ist zu empfehlen, Produkte aus Deutschland oder der EU zu verwenden, da die Richtlinien und Kontrollen in diesen Ländern strenger als in anderen Ländern sind.


Außerdem solltest du unbedingt auf die Qualität der Supplemente achten. Vor allem den günstigen Nahrungsergänzungsmitteln sind häufig Zusatzstoffe beigefügt, wie z. B. Süßstoffe, Farbstoffe oder chemische Haltbarmacher. Das sind Stoffe, die unsere Gesundheit nicht unterstützen und auch eher zu meiden sind. Achte daher darauf, dass du zu Marken greifst, die hauptsächlich natürliche Inhaltsstoffe und keine sonstigen Zusatzstoffe verwenden. Gib hierbei lieber etwas mehr Geld aus für gute Qualität, bevor du zu günstigen Präparaten greifst, die eine Menge Süßstoffe oder andere Substanzen enthalten.


Fazit


Nahrungsergänzungsmittel können unsere Gesundheit unterstützen und Unterversorgungen verschiedener Nährstoffe ausgleichen, aber nur, wenn es wirklich notwendig ist. Ein regelmäßiger Nährstoff - Check bei einem Arzt bzw. einer Ärztin, bei Heilpraktiker*innen oder Experten mit entsprechender Ausbildung kann dir weiterhelfen und dich auf die sichere Seite bringen.


Tipps zum Weiterlesen:

https://www.quarks.de/gesundheit/ernaehrung/nahrungsergaenzungsmittel-was-wir-darueber-wissen-sollten/ 

https://www.lebensmittelverband.de/de/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/nem-gesetzliche-regelungen 

https://www.test.de/thema/nahrungsergaenzungsmittel/



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